#womensday: „Studieren ist nichts für Frauen!?!“

Von wegen! Wir haben 4 Meilensteine aus Bildung und Wissenschaft für dich recherchiert: Zum Nachdenken, Staunen und Stolz sein.

Der 08. März ist Internationaler Weltfrauentag. Seit 107 Jahren kämpfen an diesem Tag Menschen für Gleichberechtigung, auch in Bezug auf Bildung. Der Zugang zu Bildung für Mädchen und Frauen war auch in Deutschland lange Zeit nicht selbstverständlich. Glaubst du nicht? Dann blicke doch heute mit uns zurück…

BILDUNG FÜR ALLE?!

Warum es sich lohnt, jeden Tag für Gleichberechtigung einzustehen, zeigt sich in vielen Bereichen des gesellschaftlichen LebensGanz aktuell bspw. mit der #metoo-Debatte, die das verzerrt wahrgenommene Ausmaß von Sexismus und Gewalt gegen Frauen offenbart., so auch in der Bildungsgeschichte. Denn vieles, was für uns heute ganz selbstverständlich ist, war für Frauen der vergangenen Jahrhunderte alles andere als üblich und musste hart erkämpft werden.

Gegen welche gedanklichen Bollwerke es anzutreten galt, verdeutlicht die Aussage des Gründungsvaters der Universität, Wilhelm von Humboldt: "Frauen, die wissenschaftlich arbeiten wollen, werden von ihrer natürlichen Veranlagung und den wesentlichen Aufgaben innerhalb der Familie abgelenkt". Dass er sich da wohl gehörig getäuscht hat, beweisen nicht zuletzt die bis heute 43 Nobelpreisträgerinnen, wie bspw. Marie Curie (Physik).

SEIT WANN KÖNNEN MÄDCHEN UND FRAUEN EIGENTLICH...

… ABITUR MACHEN?

Zugegeben, von 2018 aus betrachtet, klingt die staatliche Einführung von Mädchengymnasien im Jahr 1908 und die damit verbundene Möglichkeit ein Abitur abzulegen nicht gerade nach „gestern“. Bedenkt man jedoch, dass sich für männliche Schüler die Türen zu den ersten Schulen höherer Bildung bereits 100 Jahre früher öffneten, wird deutlich, dass sich das deutsche Schulsystem bis zum Anfang des 20. Jahrhunderts vor allem auf den männlichen Nachwuchs konzentrierte. Für Mädchen, so meinte man, reichte es vollkommen aus in der Handarbeit und Hauswirtschaft unterrichtet zu werden. Heute sieht das glücklicherweise anders aus: Die Mädchen haben lange aufgeholt. So beendeten 51% der Mädchen von 15 - 25 Jahren im Jahr 2016 ihre Schullaufbahn mit einer (Fach-)Hochschulreife. Den Grundstein dafür legten die Frauen zu Anfang des 20. Jahrhundert mit ihren Kämpfen für freie Bildung.

… EINEN STUDIENABSCHLUSS MACHEN?

Studieren ist heute für viele von uns ganz selbstverständlich. Zum Wintersemester 2016/17 nahmen 348.140 junge Menschen ein Studium auf, unter ihnen 173.250 Frauen.

Doch dies war nicht immer so. Die ersten Universitäten Deutschlands entstanden bereits im Mittelalter. Für Frauen blieben die ehrwürdigen Hörsäle jedoch lange Zeit verschlossen. Erst zum Ende des 19. Jahrhunderts rüttelte man, im Zuge der Frauenbewegung im Kampf um das Wahlrecht, gehörig an diesen Zuständen. Eine Vorkämpferin der bürgerlichen Frauenbewegung, Hedwig Dohm, forderte damals das Studium auch für Frauen zu öffnen, da „die uneingeschränkte Wahl des Berufs ein Hauptfaktor der individuellen Freiheit und des individuellen Glücks ist."

Was für uns sehr nachvollziehbar klingt, stieß in der männerdominierten Wissenschaftswelt der damaligen Zeit auf massive Widerstände begleitet von absurden Argumentationen. So fragte man sich u.a., ob die doch viel zu kleinen Gehirne von Frauen überhaupt in der Lage seien, derartige kognitive Fähigkeiten auszubilden oder ob die körperliche Verfassung von Frauen ein Studium zuließe. Wem das noch nicht direkt die flache Hand an die Stirn treibt, lässt noch ein weiteres Argument auf sich wirken: Die Anzweiflung der geeigneten Trinkfestigkeit. Achso….

Doch letztlich konnte man sich dem immer stärker werden Ruf der Frauen auf Selbstbestimmung und Teilhabe nicht mehr entziehen und ermöglichte es ihnen ab 1909 deutschlandweit zu studieren. Einzige Ausnahme bildeten die Kunstakademien. Hier sollte es weitere 10 Jahre dauern bis Frauen das Recht auf Immatrikulation erlangten. Zu groß war die Sorge um die weibliche Moral von Studentinnen, die sich dem Aktstudium widmen wollten.

Bereits 1913 kamen so auf 100 Studierende round about 4 Frauen - was insgesamt 3.900 Studentinnen entsprach. Im Vergleich: Heute zählen wir an Universitäten einen Frauenanteil von knapp 50 %. Wenn das nicht ein echter Meilenstein ist!

…PROMOVIEREN UND SO DEN DOKTORTITEL ERHALTEN?

Doktor_in, klingt nicht nur eindrucksvoll, das ist es auch. Denn eine PromotionWer in Deutschland eine Promotion abschließen möchte, muss neben einer selbständig verfassten wissenschaftlichen Arbeit, der Dissertation, auch eine mündliche Prüfung ablegen. Diese wird als Rigorosum, Disputation oder Kolloquium bezeichnet. berechtigt nicht nur zum Tragen des akademischen Titels „Doktor_in“, sie bescheinigt dem/der Träger_in auch die Fähigkeit zur vertieften wissenschaftlichen Arbeit. Im Durchschnitt benötigen Doktorand*innen für diesen Weg 4,8 Jahre - Der Hut ist also wohl verdient, chapeau!

Die erste Frau, die ihre wissenschaftliche Leistung durch einen Doktortitel adeln konnte, war Dorothea Christiane Erxleben. An der Universität Halle promovierte sie im Fach Medizin. Das Besondere: Dies geschah bereits im Jahr 1754 (übrigens ca. 700 Jahre nach Beginn des Promotionswesens in Deutschland). Doch wer bis hierhin aufmerksam gelesen hat, möchte jetzt vermutlich berechtigte Zweifel an der Richtigkeit der vorangegangenen Informationen erheben oder das Argument Frauen wären nicht trinkfest, mit der Verwirrtheit der Autorin belegen wollen. Aber nein, Erxleben war eine absolute Ausnahmeerscheinung und wurde ausschließlich auf Befehl des preußischen Königs zur Promotion im Fach Medizin zugelassen.

Ganz regulär promovieren können Frauen erst seit 1908. Da sie vorher nicht an Universitäten zugelassen wurden, fehlte ihnen bis dahin auch die Berechtigung zur Erlangung des Doktorgrades.

Heutzutage promovieren mehr Frauen denn je: Im Wintersemester 2014/2015 waren nach den Ergebnissen der Promovierendenbefragung 44% Frauen (87 000 Personen) und 56 % Männer (109 200 Personen).

… HABILITIEREN UND DAMIT PROFESSORIN WERDEN?

Der Traum vom Weg in die Wissenschaft mit Lehre und Forschung als Professorin blieb für Frauen am längsten verwehrt. Die letzte Stufe der wissenschaftlichen Laufbahn zu erklimmen, ist ihnen erst seit 1921 möglich. Da nämlich erlangten Frauen das Recht auf Habilitation, d.h. den Erwerb der Lehrberechtigung durch das Anfertigen einer wissenschaftlichen Arbeit. Die erste Professorin in Deutschland war die Chemikerin Margarete von Wrangell. Am 12. März 1923 erhielt sie den Lehrstuhl für Pflanzenernährung an der Universität Hohenheim.

Heutzutage trifft man Frauen wesentlich häufiger im Hörsaal vorne an der Tafel als auf den hinteren Plätzen. Im Vergleich zu ihren männlichen Kollegen sind sie aber auch heute noch in der Minderheit. Im Jahr 2016 kamen auf insgesamt 46.835 Professor*innen in Deutschland gerade einmal 10.955 Frauen.

JEDER TAG IST FRAUENTAG

Ja, ich gebe es zu: Lange Zeit wusste ich mit dem Weltfrauentag nicht viel anzufangen. Weder in der Schule noch in meinem nahen Umfeld war er ein großes Thema. Und wenn ich ganz ehrlich bin, hatte ich bis zum Erwachsenenalter nicht einmal ein wirkliches Bewusstsein für Ungleichbehandlung aufgrund des Geschlechts. Oder sagen wir mal: Ich habe es nicht groß hinterfragt.

Doch sowohl mit Blick auf die Geschichte als auch auf die Gegenwart wird deutlich: Internationaler Weltfrauentag, der weltweit auf die Ungleichberechtigung von Frauen aufmerksam macht, ist wichtiger denn je und er geht uns alle an. Deshalb sollte im Grunde jeder Tag, Frauentag sein.