Wohnst du noch oder lebst du schon?

Mit steigenden Mieten und teurerem Wohnraum werden Studierende kreativ. Wir zeigen innovative Wohnideen und günstige Hochschulstandorte auf.

Ein dunkles Zimmer in der gefühlten Größe einer Besenkammer für nur schlappe 400 Euro? Klingt nicht gerade verlockend, ist jedoch in Großstädten wie München oder Berlin leider keine Seltenheit mehr. Die Zahl der Studierenden ist innerhalb der letzten Jahre kontinuierlich gestiegen, günstiger Wohnraum jedoch immer knapper geworden. Laut der Sozialerhebung des Deutschen Studentenwerks haben Studierende im Schnitt ca. 918 Euro pro Monat zur Verfügung, wovon sie – je nach Wohnort – gut ein bis zwei Drittel für Wohnen ausgeben. Wer in beliebten Studierendenstädten wie Berlin, München, Köln oder Hamburg als Neuling überhaupt eine Bleibe finden und nicht auf der WG-Couch von Freunden ausharren will, muss dementsprechend tief in die Tasche greifen oder bei der Wahl des Wohnraums kreativ werden.

WOHNE LIEBER UNGEWÖHNLICH

/ Wohnpartner_in
Die bundesweite Aktion „Wohnen für Hilfe“ vereint günstiges Wohnen für Studierende mit sozialem Engagement. Dabei leben Studierende mit Menschen in einer Wohngemeinschaft zusammen die Hilfe benötigen und zahlen dafür weniger bis gar keine Miete. Die Aufgaben sind vielfältig und werden individuell festgelegt: Einkaufen, Kochen, Staubsaugen, Gartenpflege oder Hausaufgabenhilfe. Ausgenommen sind jedoch Pflegeleistungen jeglicher Art. Über Onlineportale kann man Zimmer in Wohnpartnerschaften sowie zahlreiche Erfahrungsberichte von Studis finden.

/ Minimalist_in
Ob Bauwagen, Tiny House oder Container: Günstiger Wohnraum muss nicht unkomfortabel sein. Vor dem Hintergrund steigender Mieten und mangelndem Wohnraum boomen gerade in Großstädten minimalistische Wohnkonzepte, wie das Leben im Bauwagen oder eine Wohnung im Container. Dabei handelt es sich nicht länger nur um Aussteigerkonzepte, sondern individuelle und clever konzipierte Miniaturwohnungen.

/ Dauercamper_in
Eine der ausgefallensten Wohnsituationen dürfte die eines Studis als Dauercamper_in sein. Auf einem Campingplatz in Köln-Rodenkirchen scheint das keine Ausnahme mehr zu sein. Der ganzjährig geöffnete Campingplatz beherbergt regelmäßig Studierende, die zu Beginn des Semesters immer noch obdachlos sind und mit Zelt oder elterlichen Wohnmobil hier stranden. Meist übergangsweise, immer öfter jedoch auch monatelang bis zu ganzen Semestern. Was das Leben als Dauercamper_in zu bieten hat, kannst du hier nachlesen.

/ Bahncardnomad_in
Eine Studentin aus Tübingen machte diesen Sommer Schlagzeilen, indem sie alle Konzepte sesshaften Wohnens über Bord warf und allein mit einer Bahncard 100 durch Deutschland pendelte und komplett auf einen festen Wohnsitz verzichtete. Leonie Müller lebte fortan mehr oder weniger dauerhaft im ICE - nur unterbrochen von einigen Aufenthalten bei Freund, Mutter und Oma.

WO WOHNEN WENIG KOSTET

Mit dem Studentenwohnpreisindex hat das Institut der deutschen Wirtschaft (IW) eine Übersicht entwickelt, die aufzeigt, wieviel Wohnen an verschiedenen Hochschulstandorten Deutschlands im Durchschnitt kostet.
Im Ergebnis lässt sich festhalten, dass in Berlin die Wohnungspreise seit 2010 am stärksten gestiegen sind, unvoreingenommener Vorreiter in Bezug auf Mieten ist jedoch nach wie vor München, wo im Schnitt 600 Euro für ein Zimmer verlangt werden. Günstiger lässt es sich dagegen in etwas kleineren Studienstädten wie Jena, Greifswald oder sogar Leipzig wohnen, wo man für unter 300 Euro ein Zimmer bekommt. Ungeschlagen wohnt es sich jedoch in der Mitte Deutschlands am günstigsten: In Magdeburg können Studierende schon für 200 Euro Zimmer finden.

Wieviel du im Durchschnitt an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt zahlst, zeigt die Datenanalyse des Mitteldeutschen Rundfunks. Soviel sei verraten: Egal für welche Hochschule du dich entscheidest, wohnen kostet dich hier nicht mehr als 300 Euro in einem WG-Zimmer.