Warum ich nicht gern über mein Studium spreche

Wenn ich gefragt werde, was ich studiere, lenke ich meistens vom Thema ab, werde plötzlich stumm oder erfinde etwas. Die Wahrheit ist, ich habe meistens keine Lust zuzugeben, dass ich (auch) Jura studiere.

„Wow!“, „Ach, krass!“, „Das hätte ich jetzt nicht gedacht.“, „Du siehst gar nicht so aus.“-das ist nur eine Auswahl an Reaktionen, die ich bekomme, wenn ich sage, dass ich Jura studiere und damit auch der Grund, weshalb ich es gern für mich behalte. Tatsache ist, dass ich kein Vollzeit-Jurastudium absolviere. Das wäre sogar meinem sehr motivierten und ehrgeizigen Ich von vor gut drei Jahren zu extrem gewesen. Ich entschied mich für einen Bachelor der Kultur- und Rechtswissenschaften. Diese sehr exotische Mischung reizte mich und der Ausblick so verschiedene Studieninhalte miteinander zu vereinen spornte mich an.

NEIN, ICH WERDE KEINE RICHTERIN

Mit meiner Studienwahl bin ich auch gegen Ende noch zufrieden, weniger jedoch mit der immer wiederkehrenden Tortur der Frage nach meinem Studienfach und der drauffolgenden Reaktionen. Sage ich, dass ich Jura studiere, sieht mich mein Gegenüber sofort als Richterin oder Anwältin. Dass diese Möglichkeit mit meinem Bachelorstudium überhaupt nicht besteht, erkläre ich nur noch knapp. Mit einem Bachelorstudium in Rechtswissenschaften liegt mein zukünftiges Arbeitsfeld eher in der freien Wirtschaft, ein Bereich wo juristisches Fachwissen gebraucht wird, aber kein Staatsexamen nötig ist. Derartige Studiengänge gibt es immer mehr, denn sie haben den Vorteil juristisches Fachwissen mit anderen Qualifikationen wie Wirtschaftswissenschaften zu vereinen und Absolventen für immer interdisziplinäre Arbeitsstellen attraktiv zu machen.

KENNT MAN EINEN, KENNT MAN ALLE?

Das Nächste ist meist ein Unterton, der zwischen Bewunderung, Mitleid und Abneigung schwankt- je nachdem wem ich mich gegenüber sehe. Alle wissen, dass ein Jurastudium zu den anspruchsvollsten überhaupt gehört und meinen zu wissen, dass dieses nur mit viel Ehrgeiz, Arbeitswillen und, irgendwie auch, Spießigkeit zu bewältigen ist. Die Schlussfolgerung, dass ich die genannten Kriterien erfüllen muss, und der von mir gewonnene Eindruck werden zu vereinen versucht, was meist in Überraschung mündet. Tja, zum Glück ist das mit den Klischees etwas komplizierter.
Tatsächlich ist Jura schwer, ok. Und tatsächlich würde ich mich bis zu einem gewissen Grad als ehrgeizig bezeichnen und habe für Jura mehr gelernt als für alle anderen Fächer, ja. Doch gehe ich eben auch gern aus, trage Pullis statt Blusen, habe ein ausgeprägtes Sozialleben und will mein Studium schaffen, ohne mich völlig zu verausgaben. Die Herausforderung bestand für mich maßgeblich darin, die schiere Menge an Stoff zu bewältigen und immer am Ball zu bleiben, um nicht abgehängt zu werden. Doch wer das schafft, hat gute Karten. Denn mit Fleiß ist auch ein Fach wie Jura bezwingbar.

ES IST NICHT DAS, WONACH ES AUSSIEHT

Der scheinbare Widerspruch, dass ich als lebensfrohe Person, mich freiwillig für ein trockenes Studienfach wie Jura entschieden habe, bereitet vielen Probleme. Dabei ist Jura gar nicht so trocken, wie immer alle denken. Klar gibt es staubtrockene Grundlagenfächer wie Staatsorganisationsrecht, was ungefähr das sein dürfte was sich alle unter Jura vorstellen. Doch daneben hatte ich auch sehr spannende Vorlesungen in Rechtsphilosophie oder Rechtssoziologie und die rechtlichen Grundlagen der Europapolitik hatten immer einen aktuellen Praxisbezug.

ADIEU VORURTEILE

Bitte verabschiedet euch von euren Vorurteilen und Ängsten, was ein Jurastudium angeht. Klar sollte sein, so ein Studium bedeutet nicht auf der faulen Haut zu liegen und neben einer guten Stresstoleranz sollte man Fleiß und den Willen mitbringen, durchzuhalten. Doch Jurastudierende sind auch nur Menschen und genauso verschieden wie in anderen Studienfächern. Wenn du bereit bist, dich darauf einzulassen ist das ein guter Start.