Studyhacks: Lass die grauen Zellen tanzen

Ruhe zum Lernen war gestern. Warum ihr die Stille mit Lieblingsmusik statt Mozart durchbrechen solltet.

Mag man Bibliothekar_innen und angespanntem Aufsichtspersonal in Prüfungen und Klassenarbeiten Glauben schenken, ist Ruhe die Mutter der kognitiven Höchstleistungen. Egal ob zentimeterdicke Teppiche, die jedes Geräusch absorbieren, Ohropax und schalldichte Fenster: In der Regel werden Lernorte und ihre Insassen akribisch gegen jedes noch so kleine Geräusch abgeschirmt und etwaige Verstöße mit tödlichen Blicken bestraft.
Dabei beschäftigt sich die Wissenschaft schon lange mit der Frage, ob – wenn nicht das Niesen des Nachbarn oder der Laubbläser vor dem Fenster – sich zumindest Musik positiv auf unsere Leistungsfähigkeit auswirken kann.

KOPFHÖRER STATT OHROPAX?

Konkrete Ansätze dafür gibt es spätestens seit den 90er Jahren, als amerikanische Forscher in einer Studie festhielten, dass das Hören klassischer Musik das räumliche Vorstellungsvermögen verbessere. Infolgedessen kam es in den Staaten zu einem regelrechten Run auf klassische Musik, der so weit ging, dass im Bundesstaat Georgia jede Mutter eines Neugeborenen eine Klassik-CD geschenkt bekam. Kein Witz.
Obwohl der sogenannte „Mozart-Effekt“seither weder vollständig be- noch widerlegt werden konnte, hat er doch die Forschung zum Zusammenhang von Musik und kognitiver Leistung beflügelt und zahlreiche neuere Studien wollen belegen, dass Kopfhörer oder Boxen manchmal die bessere Wahl sind als Ohrschützer.

Im Fokus steht dabei eine Tatsache: Musik macht Spaß! Vor allem unsere Lieblingsmusik. Gute Songs gehen vom Ohr gefühlt direkt in Herz und Verstand, machen uns glücklich, traurig, nachdenklich – mit anderen Worten emotional. Die dabei beteiligten Areale werden stärker durchblutet und unterschiedliche Hirnregionen vernetzt, was unser Hirn leistungsfähiger macht und Lernprozesse erleichtert. Mit den richtigen Vibes können wir uns außerdem perfekt von der Umwelt abschotten und uns gut gelaunt und voller aufkeimender Produktivität auf unser kleines (Lern)Universum konzentrieren. Immerhin gibt es einen Grund, warum sonst nervige Aufgaben wie Putzen oder Abwaschen mit dem entsprechenden Song plötzlich doppelt so gut von der Hand gehen.

VON MOZART ÜBER MILEY CYRUS BIS MARILYN MANSON

Neben der angeblichen Wunderwirkung klassischer Musik hat die Wissenschaft natürlich durchaus noch weitere Tipps, zu welcher Musik die grauen Zellen am liebsten Tanzen.
So sollen Songs mit 56 bis 64 Schlägen pro Minute besonders hilfreich sein, da dies ungefähr dem Herzschlag eines Menschen im entspannten Zustand entspricht und sich somit positiv auf Konzentrations- und Merkfähigkeit auswirkt.
Einig sind sich tatsächlich fast alle bei einem vermeintlich absoluten No-Go beim Lernen mit Musik: zu schnelle, stressige Beats und zu viel Text. Sprachlastige Musik laufe am ehesten Gefahr uns abzulenken und vor allem für die beim Auswendiglernen oder Vokabeln pauken beanspruchten Hirnareale sei das kontraproduktiv.
Doch wer weiß schon, was dich ganz besonders entspannen oder abschalten lässt. Vom Walgesang bis um Trap sind eigene Vorlieben und Wahrnehmung letztlich ausschlaggebend ob und wie Musik uns geistig beflügelt.

EINFACH MAL EINSCHALTEN

Sofort entschlossen aus der Bibo zu stiefeln und zu Hause die Boxen aufdrehen ist demnach eine Option. Die andere ist, dir ganz in Ruhe dein persönliches Best-of an Musik in einer Playlist zusammenzustellen. Dann musst du zwischendurch nicht DJ_ane spielen und weißt spätestens beim zweiten Durchlauf automatisch, dass es Zeit für eine Pause ist.
Wer Inspiration zwecks Lernmusik braucht und noch nicht sicher ist, ob es lieber ruhige Klänge oder eine bestimmte Geräuschkulisse sein sollen, kann sich problemlos bei Spotify oder verschiedenen kostenlosen Apps und Websites ausprobieren. Brain.fm zum Beispiel bietet eine neurowissenschaftlich auserwählte Songauswahl, getworkdonemusic lockt mit – wie der Name schon sagt – produktivitätsfördernden Klängen und auf Coffitivity kannst du deine ganz persönliche Kaffeehausatmosphäre auswählen.