Resilienz: Dein psychisches Immunsystem

Mit Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten wirst du nicht so leicht aus der Bahn geworfen. Woher diese innere Widerstandskraft kommt und warum sie so wertvoll ist.

Zu Beginn des Jahres, inmitten von Abiprüfungen und Unistress fällt vielen die Decke auf den Kopf, Schlaflosigkeit und Überforderung machen sich breit. Wenn dann eine Prüfung daneben geht, ist die Verzweiflung meist groß. Trotzdem gibt es Menschen, die selbst in den herausforderndsten Situationen gelassen bleiben und Schicksalsschläge ohne Probleme wegzustecken scheinen. Der Fachbegriff für diese ausgeprägte psychische Widerstandskraft: Resilienz.

GUMMI VS. KNETE
Ursprünglich stammt der englische Begriff resilience (= Spannkraft, Belastbarkeit) aus der Materialkunde und beschreibt die Eigenschaft von elastischen Werkstoffen, sich nach starker Verformung wieder in die ursprüngliche Form zurückzubegeben. Heute wird der Begriff unter anderem in der Psychologie gebraucht, wo Resilienz die „Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigung zu überstehen“ (Duden) beschreibt. Resiliente Menschen können emotionale und psychische Herausforderungen leichter meistern, lassen sich nicht so schnell aus der Bahn werfen. Wie ein Gummi, der trotz großer Krafteinwirkung immer wieder völlig unbeirrt in seine ursprüngliche Form zurückschnipst. Im Gegensatz dazu sind Menschen die unter „Vulnerabilität“ leiden besonders anfällig für Stress, können mit Veränderungen oder belastenden Lebensumständen schwer umgehen und laufen eher Gefahr psychische Krankheiten zu entwickeln. Vergleichbar mit Knete, die, einmal heruntergefallen, eine merkliche Delle davonträgt und sich nicht wieder selbst verformt.

EINEN KÜHLEN KOPF BEWAHREN
Tatsächlich hat auch Stress seine Vorteile. Wenn wir unter Druck arbeiten, muss das Gehirn lernen, möglichst schnell Wichtiges von Unwichtigem zu trennen. Das verbessert die Reaktionsfähigkeit, schärft unsere Sinne und bringt den Körper zu Höchstleistungen.
Zu viel Stress und Angst jedoch lähmen uns und können langfristig zu psychischen Problemen führen. Veränderungen, wichtige Entscheidungen, Prüfungen - all das verliert einen Großteil seiner Bedrohlichkeit, wenn du in dir selbst gefestigt und dir deiner Fähigkeiten sicher bist.
In der Forschung werden sechs Resilienzfaktoren ausgemacht, Eigenschaften über die Menschen mit großer psychischer Widerstandskraft verfügen: die Akzeptanz von Krisen als Teil des eigenen Lebens, Optimismus, der Glaube an die eigenen Fähigkeiten und Kompetenzen, Eigenverantwortung für die momentane Situation, feste soziale Bindungen und Lösungsorientierung.

"Mitten im Winter wurde mir endlich bewusst, dass in mir ein unbesiegbarer Sommer wohnt."- Albert Camus

Doch kann man sich diese Eigenschaften zu Eigen machen, und vor allem wie? Vor diesem Hintergrund forscht das Deutsche- Resilienz- Zentrum (DRZ) seit 2014 zu Stressentstehung und –verarbeitung. Das Ziel ist herauszufinden, wie sich resilientes Verhalten entwickelt und welche Schutzmechanismen helfen, mit schwierigen Situationen umzugehen und in Anbetracht von emotionalen Herausforderungen gelassener zu werden.

1. Erkenne, dass vieles eine Stärke sein kann
Anhand von Erlebnissen und Erzählungen aus dem Alltag kannst du eigene Stärken ausfindig machen. Anschließend kannst du Verhaltensweisen formulieren, bei denen die Stärken im Alltag eingesetzt werden können.

2. Führe dir deine Erfolge vor Augen
Du neigst dazu, dich in einem eher negativen Licht zu sehen oder vergisst leicht, was du schon geschafft hast? Halte deine Erfolge schriftlich fest, das macht dir deutlich, wie du schon in der Vergangenheit Krisen gemeistert hast.

3. Lerne andere Sichtweisen anzunehmen
Überlege, wie andere deine Situation bewerten würden: Birgt dein augenscheinliches Problem vielleicht eine noch größere Chance? Das verschafft dir Distanz zu deinen Problemen und die Möglichkeit sie neu zu bewerten.

4. Resilienz heißt nicht Abhärtung
Das Geheimnis ist, nachhaltig mit deinen psychischen Ressourcen umzugehen. Um für Herausforderungen gewappnet zu sein, gönn dir Erholung und koste die guten Phasen im Leben aus.

Probleme und Krisen gehören zum Leben dazu und bieten immer auch die Chance zu wachsen und zu lernen. Versuche diese Chance zu nutzen und löse deine Probleme eigenverantwortlich. Das gibt dir Kraft und Selbstvertrauen. Doch auch Resilienz ist kein Wundermittel gegen alle Probleme, sondern hat ihre Grenzen. Sich selbst auf emotionaler Ebene beeinflussen zu wollen, ist leichter gesagt als getan. Weder soll man sich alles einfach schönreden, noch man kann von jedem resilientes Verhalten erwarten. Auch Begabung und Fleiß garantieren nicht, dass man die Widrigkeiten des Lebens meistern kann, wenn die Chance dazu fehlt, dazu gehört immer auch Glück.

ZÄH ODER ZARTBESAITET?
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