Kunst und Kultur von Studis gemacht

In Halle an der Saale warten Freiräume noch darauf, erobert zu werden. Dachten sich auch Studis der Uni Halle und der BURG und mischen mit dem Lila Drachen seither die Hallenser Kulturszene auf.

Im Fokus ihres Vorhabens sollte die Südliche Innenstadt stehen. Ein sonst unter Studis eher wenig beachteter Stadtteil mit günstigem Wohnraum, aber überschaubaren kulturellen Angeboten. Um dies nachhaltig zu ändern, war die Idee, des „Lila Drache“Der „Lila Drache“ bezeichnet die Räumlichkeiten, des eigens gegründeten Kunst- und Kulturvereins Südliche Innenstadt e.V. und ist seither Teilzeit-/ Heimat der ehrenamtlichen Studis. geboren.

WO SICH FUCHS UND HASE GUTE NACHT SAGEN

In einem Teilwohngebiet unweit des Bahnhofs und abseits des hippen und angesagten Nordens der Stadt steht das eher unscheinbare Eckhaus in dessen unteren Etagen sich der junge Kulturverein niedergelassen hat. Hier, zwischen Mehrfamilienhäusern und Brache, blinkt abends ein buntes Schild, welches zum Eintreten in den Lila Drache einlädt.

Lila Drache ist der Name für die Mischung aus Vereinsheim, Café und Wohnzimmer, in die der Verein seine Räumlichkeiten verwandelt hat. Finanziell mit einer Startnext Kampagne angeschoben, legten die Vereinsmitglieder vor allem selbst Hand wie Herz an und in das Projekt. So werkelten sie bspw. selbst neben dem Studium am Inventar. Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Direkt am Eingang steht nun ein Podest für Musiker*innen, daneben der riesige, breite Holztresen und auf der oberen Etage herrscht zwischen Kicker und Couch gemütliche WG- Atmosphäre.

CAFÈ & PLATTENTELLER

Dazwischen bietet sich abwechselnd Platz für Lesungen, Konzerte, Ausstellungen, Workshops oder Spieleabende mit Tresenkultur, wie die Nerd-Night. Das Ziel des Kunst- und Kulturvereins ist es, Menschen in der Umgebung den Zugang zu kulturellen Angeboten zu erleichtern. Den Studierenden liegt es am Herzen nicht nur Veranstaltungen zu organisieren, sondern mit dem Lila Drachen einen Raum zu bieten, wo sich Menschen treffen, austauschen und auch eigene Projekte verwirklichen können. So bietet der Lila Drache zum Beispiel Studierendengruppen oder auch Anwohnern beim Nachbarschaftscafé, Raum zum Austausch. Wir finden, eine wunderbare Möglichkeit den Verein kennenzulernen, in Kontakt zu treten und das Viertel gemeinsam zu beleben.

LANGE NÄCHTE & PLENUMSSITZUNGEN

Verwirklicht hat sich im Lila Drachen eine bunte Ansammlung aus ca. 40 Studierenden, ein Großteil studiert an der Martin-Luther-Universität Halle, der Rest an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule Halle. Der Lila Drachen lebt davon, dass hier Studierende der unterschiedlichsten Bereiche zusammenarbeiten. Ob BWL, Jura, Design oder Medienwissenschaften, jeder kann sich einbringen und mit dem jeweiligen Fachwissen und Können bei der Arbeit helfen. Gemein haben alle Vereinsmitglieder, dass sie freiwillig Zeit und Ressourcen investieren, um sich neben dem Studium privat zu engagieren, viele auch in mehreren Projekten gleichzeitig.

WAS DIR DEIN STUDIUM NICHT BEIBRINGEN KANN

So auch Tony. Er studiert Industriedesign im Master an der Burg Giebichenstein Kunsthochschule und engagiert sich von Beginn an im Kunst- und Kulturverein. Neben dem Studium ist er zudem Mitglied im Studierendenrat und im Fachschaftsrat Design seiner Hochschule.

Die eigene Freizeit in verschiedene Projekte zu stecken und gleichzeitig sein Leben zu managen, bedeutet nicht zwangsweise schlaflose Nächte. Für Tony ist entscheidend, dass das Studium an der Hochschule selbstverwaltet ist und er sich seine Studieninhalte frei organisieren kann. Konkret heißt das: Prioritäten zu setzen und größere Studienprojekte auch mal aufschieben zu können wenn sein Engagement anderswo gerade nötiger ist. Nichtsdestotrotz bedarf es einer Menge Motivation, neben dem Studium Zeit und Kraft in ein Projekt wie den Lila Drachen zu stecken und Nächte freiwillig im Kulturheim zu verbringen, wenn man woanders Geld dafür bekommen würde.

Für Tony ist ein Argument, dass es schlicht und einfach Spaß macht. Die Arbeit im Lila Drachen ist eher wie ein lieb gewonnenes Hobby. Hier lernt man immer neue Leute kennen, knüpft Kontakte und fühlt sich dadurch in der Stadt zuhause. Als Industriedesigner kann er sich hier nicht nur bei der Konstruktion austoben, eine gelungene Inneneinrichtung bietet auch Material für das eigene Portfolio, was als Designstudent immer gefüttert werden will.

Letztlich hat jeder die Freiheit zu machen, worauf er Lust hat und selbst für die unangenehmsten Aufgaben findet sich meist eine Freiwilliger. Der Lila Drachen gibt Studis der verschiedenen Hochschulen, die sonst vielleicht kaum Kontakt zueinander haben würden, einen Raum, eigene Projekte zu realisieren und Ideen zu verwirklichen, für die sonst kein Platz wäre.

Das klingt nach viel Freiheit, doch die Arbeit mit so vielen verschiedenen Menschen ist auch herausfordernd. Neben einer Menge Eigenständigkeit und Organisationstalent muss man auch manchmal bereit sein, die eigenen Interessen der Mehrheit zuliebe zurückzustecken. Beim Plenum kann natürlich jeder zu Wort kommen, doch einfach dagegen sein, bringt niemanden weiter. Hier sollten konstruktive Vorschläge eingebracht werden. Und wenn wichtige Entscheidungen anstehen, ist Teamwork genauso gefragt wie die Bereitschaft Kompromisse einzugehen, um sich in einer so großen Gruppe überhaupt einigen zu können. Fähigkeiten und Erfahrungen wie diese kann ein Studium allein nur selten so hautnah vermitteln.

Was dich wirklich weiterbringt, ist deshalb, neben dem wertvollen Wissen aus Studium und Hochschule, das eigene Testen und Ausprobieren auch außerhalb des Hörsaals.

MEHR ÜBER DEN LILA DRACHE UND WAS DA SO GEHT

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