Jura- die Königsdisziplin?

Vor Jura zittern vielen die Knie, das Studium gilt als eines der komplexesten und anspruchsvollsten überhaupt. Wer mutig genug ist, bestehende Vorurteile zu überwinden hat als angehende_r Jurist_in gute Karten.

Die Rechtswissenschaften haben es zwischen Studiengängen wie Sozialer Arbeit oder Medien- und Kommunikationswissenschaften schwer. Jura gilt gemeinhin als trockenes Fach, das schwer zugänglich und noch schwerer zu meistern ist. Die Vorstellung unaufhörlich Bücher zu wälzen, Paragrafen auswendig zu lernen und sich in kryptischen Formulierungen auszudrücken, versetzt nur wenige in Euphorie.
Wie an den meisten Klischees, ist auch hier ein Funken Wahrheit zu finden, doch letztlich ist das Jurastudium das, was du daraus machst. Statt trockenem Staats- und Verfassungsrecht, stehen dir Wege ins Medien- oder Umweltrecht offen, statt Hemd darfst du Strickpulli tragen und in der Freizeit dem zivilen Ungehorsam frönen.

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Jura zu studieren ist anspruchsvoll, aber nicht unmöglich - und deine Seele an den Teufel verkaufen, musst du auch nicht. Tatsächlich ist mit Fleiß, Hingabe und einer Prise Ehrgeiz jedes Fach bezwingbar, auch Jura.
Die goldene Regel lautet, am Ball zu bleiben. Denn das Arbeitspensum im Jurastudium ist hoch und das über mehrere Jahre hinweg. Immerhin ist es ein weiter Weg bis zum Arbeitsleben als VolljuristIn. Nach ca. drei Semestern Grundstudium mit einer Zwischenprüfung folgen sechs Semester Hauptstudium und Vorbereitung auf das erste Staatsexamen, bis du nach viereinhalb Jahren schließlich die Uni verlässt. Wer als VolljuristIn arbeiten möchte, muss anschließend noch das Referendariat absolvieren und die letzte Prüfung, das zweite Staatsexamen, bestehen. Auch wenn sich Jura an einigen Hochschulen einigen Hochschulen zulassungsfrei studieren lässt, entscheidet sich im Verlauf des Studiums, wer den Anforderungen gerecht wird. Wer sich nicht permanent dahinterklemmt die großen Mengen an Wissen zu bewältigen, läuft Gefahr abgehängt und überfordert zu werden.

SPIEßERTUM VORPROGRAMMIERT?

Jura ist trocken und man wälzt nur Bücher? Viel lesen muss man tatsächlich, ja. Doch neben trockenen Fächern wie Staatsorganisationsrecht (was ungefähr das ist, was sich alle unter Jura vorstellen) gibt es auch spannende Vertiefungen wie Völker- und Europarecht und fächerübergreifende Seminare wie Rechtsphilosophie oder Rechtssoziologie. Ab dem 5. Semester wird ein Schwerpunktbereich für das restliche Studium und die Staatsexamensprüfung gewählt. Von klassischem Strafrecht, über Arbeits- und Sozialrecht bis zu Medizin- oder Wirtschaftsrecht - die Wahl liegt bei dir, ganz nach deinen Interessen kannst du wählen in welchem Bereich du später tätig sein möchtest.

BERUFSWUNSCH: BARBARA SALESCH

Die rothaarige Richterin aus dem Fernsehen der 2000er hat für viele das Bild einer Juristin geprägt. Mit dem Bekenntnis Jura zu studieren entsteht beim Gegenüber anscheinend automatisch das Bild einer zukünftigen Staatsanwältin oder Richterin. Dabei stehen erfolgreichen JuraabsolventInnen viele Wege offen, ganz nach persönlicher Interessenlage, Gehaltvorstellungen oder Arbeitszeitwünschen. Sowohl in großen Unternehmen, als auch in der öffentlichen Verwaltung oder politischen Organisationen - juristisches Fachpersonal ist überall gefragt und auch mit dem ersten Staatsexamen kann man in verschiedensten Bereichen arbeiten. Wer sich nicht in einem Gerichtssaal sieht, sondern nach dem Studienabschluss sein Wissen anderweitig einsetzen möchte, kann als juristische/r JournalistIn oder MediatorIn, in der Entwicklungszusammenarbeit oder Forschung arbeiten.

WEDER SUPERWOMAN NOCH ROBIN HOOD

Ein Jurastudium ist nicht so trocken und unmöglich wie manche glauben mögen, doch genauso wenig bekommst du damit die Lizenz zum Superheld. Die Vorstellung, als fertige/r JuristIn gegen das Unrecht in der Welt zu kämpfen ist zwar romantisch, aber leider weniger realistisch. Im Arbeitsalltag vertritt der juristischer Beistand die Interessen der Klienten, dass es hier nicht immer um die eigene Einstellung geht, dürfte allen klar sein.
Zudem ist es ein langer Weg bis zum abgeschlossenen Jurastudium, sei dir dessen bewusst. JuristIn wirst du nicht mal eben so, dahinter stecken mehrere Jahre Arbeit und die Entschiedenheit das schaffen zu wollen. Genau deshalb gilt ein Abschluss in Jura nach wie vor als Statement, als Beweis etwas leisten zu können. Nicht umsonst beginnen jedes Jahr zahlreiche ErstsemestlerInnen ein Studium der Rechtswissenschaft: Mit einem Abschluss in der Hand stehen dir (fast) alle Wege offen.