Frauen in MINT-Fächern: Wie gesellschaftliche Rollenbilder die Wahl des Studiums beeinflussen

In Deutschland schließt fast ein Drittel aller Studierenden in einem MINT-Fach ab. Damit sind wir in den OECD-Ländern Spitzenreiter. Die Schattenseite: Frauen sind mit nur 28% vertreten - Grund für uns einmal näher hinzuschauen.

Mit Blick auf den digitalen Wandel sichern Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik, die sogenannten MINT-Fächer, mit Innovationen unsere Zukunftsfähigkeit und gelten als Fundament für den TechnologiestandortWie Bildungsministerin Johanna Wanka in der Pressemitteilung des Bundesministeriums für Bildung und Forschung bestätigt. Deutschland.

Doch warum sind Fragen des MINT-Bereichs, wie die Weiterentwicklung erneuerbarer Energien oder die Entwicklung von zukunftsweisenden Technologien für junge Frauen scheinbar so uninteressant?

DIE MINT-LÜCKE & IHRE URSACHEN

Erklärungsversuche finden sich zahlreich. So fehlt es jungen Frauen an weiblichen Vorbildern, Praxiserfahrungen und genauen Vorstellungen über AnwendungsbereicheDies geht aus der aktuellen Microsoftstudie hervor.. Aber damit allein lässt sich das Phänomen nicht mehr erklären. Schließlich sind sich auch Jungs oftmals nicht sicher, was sie in diesen Feldern nun genau erwarten wird. Ticken wir also anders? Ja, ein stückweit schon, jedoch nicht naturgegeben, wie nun einige vermuten möchten. Denn aus neurobiologischer PerspektiveLies in der ZEIT, wie Neurobiologin Lise Eliot zu dieser Erkenntnis kommt. sind diese Unterschiede zunächst minimal. Vielmehr unterscheiden sich Mädchen und Jungs in ihrer SelbsteinschätzungZu diesem Ergebnis kommt das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung in einer aktuellen Studie..

So bewerten Jungen ihre eigenen Fähigkeiten generell und fächerübergreifend höher als ihre Mitschülerinnen. Besonders zeigt sich diese Tendenz in der Einschätzung von Fähigkeiten im mathematischen Bereich - bei gleichen Noten bewerten sich Jungs einen halben Skalenpunkt höher. Zurückzuführen ist dieser Effekt auf unsere Rollenbilder. Also der Vorstellung davon, welche Rolle wir Personen in bestimmten Funktionen oder bestimmten sozialen Stellungen zuordnen.

WARUM WIR GLAUBEN, MANCHE JOBS SIND NICHTS FÜR FRAUEN

Der deutsche Philosoph Arthur Schopenhauer schrieb einst: „Man kann zwar tun, was man will. Man kann aber nicht wollen, was man will.“Einen tieferen Einblick gibt die Die ZEIT im Gespräch mit Gehirnforscher Gerhard Roth. Ich habe damals einige Zeit gerätselt, was er der Welt damit eigentlich sagen wollte, bis ich es verstanden hatte: Ob wir wollen oder nicht, wir sind gar nicht so frei in unserer Entscheidung, wie wir denken. Bereits früheste Erlebnisse, Begegnungen und Erfahrungen prägen uns und beeinflussen unsere Vorstellungen von der Welt, der Gesellschaft, in der wir leben und unsere eigene Rolle darin.

Die Wirtschaftsprofessorin Kerstin Ettl weiß dazu ein erhellendes BeispielSo die Leiterin des "MINTdabei"-Forschungsprojektes im Interview mit orange. : „Wenn ein kleines Mädchen eine Puppe verarztet und ihr gesagt wird: „Gut, du wirst bestimmt mal Krankenschwester!“ bekommt ein Junge in der gleichen Situation zu hören: „Oh, du wirst bestimmt mal Arzt!“ Ich habe eine Tochter und einen Sohn und weiß, wie sehr man darauf aufpassen muss, nicht versehentlich solche Geschlechterklischees zu vermitteln."

Wie schnell wir unterbewusst unsere eigenen Rollenbilder auf Kinder übertragen, zeigt auch ein Experiment des BBC:

Und was diese Erfahrungen bewirken, wird im folgenden Video deutlich:

Dieser Zusammenhänge solltest du dir auch bei der Wahl eines Studiums bewusst werden. Denn in unserer zunehmend komplexen und kompetitiven Welt, sollten wir Abstand nehmen von veralten Rollenbildern und stattdessen unser volles Potenzial entfalten.

FÜR MEHR MUT: WERDE, WER DU SEIN WILLST!

Um gelernten Rollenbildern zu trotzen, wollen wir uns die Erkenntnisse der zahlreichen StudienDu willst es genauer wissen? Dann schau dir bspw. die Ergebnisse des MINT-Nachwuchsbarometers an. zunutze machen und dir mit Blick in die Zukunft, Empfehlungen aussprechen, die dich ermutigen und nachhaltig für MINT-Disziplinen begeistern.

1. Schau dich um und suche dir Vorbilder
Schau dir bewusst Beispiele an, die deinen bisherigen Rollenbildern widersprechen und polier dein Bild von Studien- und Berufswelt in MINT-Fächern ein bisschen auf. Erste Lesetipps dazu findest du weiter unten.

2. Sei offen für Erfahrungen und nutze die Angebote
An nahezu allen Hochschulen in Deutschland findest du tolle Angebote explizit für Mädchen und junge Frauen. Sie ermöglichen dir MINT-Fächer kennenzulernen, zu testen und zu erleben. So lässt sich dein Bild von Studieninhalten und Berufsfeldern ganz leicht überprüfen. Eine Liste der Angebote der Hochschulen in Sachsen-Anhalt findest du am Ende des Artikels.

3. Lass dich nicht manipulieren und sei selbst der Wandel
Mit dem Lesen dieses Artikels bist du bereits den ersten Schritt gegangen. Mach dir bewusst, dass gesellschaftliche Rollenbilder großen Einfluss auf unsere Studienentscheidung haben und stärke deine Persönlichkeit, indem du diesen aktiv durch Information und Offenheit entgegentrittst. Letztlich kannst du, auch wenn du dich am Ende doch gegen ein MINT-Fach entscheidest, nur gewinnen - denn Offenheit für Neues ist eine für unsere schnelle und komplexe Zeit wichtige Persönlichkeitskomponente, auf die jede deiner „neuen Erkundungen“ erfolgreich einzahlt. Was hast du also zu verlieren?

4. Mach dich schlau und teste
Für alle, die lieber direkt stöbern wollen: Schau dich im Netz um. Es ist voller Antworten, du brauchst nur die richtigen Fragen. So findest du unter den Hashtags #thefutureisfemale #womenintech und #womeninscience mittlerweile eine große Community an Frauen, die sich gemeinsam für diese Wissenschafts- und Berufsfelder stark machen. Zudem findest du viele weitere Beiträge über Frauen in MINT-Bereichen und hast sogar die Möglichkeit, dich mit ihnen zu vernetzen. Erste Inspiration haben wir dir auch hierfür zusammengestellt.

WEITERLESEN

Hier findest du inspirierende Artikel, sowie eine erste Übersicht nationaler und sachsen-anhaltinischer MINT-Projekte für Mädchen und junge Frauen.

Inspiration

Interviews mit Frauen in Techberufen #womanintech
5 Gründe warum Frauen MINT-Fächer studieren sollten
Diese Frauen sind die Marie Curies unserer Zeit

MINT-Projekte an den Hochschulen in Sachsen-Anhalt

SelectMINT - Praxisnahe Berufs-und Studienorientierung in MINT-Fächern der Hochschulen in Sachsen-Anhalt

FEMININ - Angebot der Hochschule Merseburg und der Otto-von-Guericke-Universität

make up your MINT - Angebot der Hochschule Anhalt

Nationale Projekte

Nationale Kooperationen zur Berufs- und Studienwahl frei von Geschlechterklischees

Cyper Mentor - Online-Mentoring-Programm für Mädchen in MINT

Komm Mach MINT - Nationaler Pakt für Frauen in MINT-Berufen

  • Landkarte für MINT-Projekte in ganz Deutschland
  • MINT-Slams nach Vorbild der Poetry-Slams
  • MINT-Test: Ist MINT was für mich? Welcher Bereich passt zu dir?