Als was arbeiten Geisteswissenschaftler_innen eigentlich?

Wer Medizin studiert, arbeitet häufig im Krankenhaus oder in einer eigenen Praxis. Der Studiengang Jura ist der beste Weg in eine Kanzlei. Und Absolvent_innen eines Lehramtsstudiums unterrichten an Schulen. Doch womit genau verdienen Geisteswissenschaftler_innen später ihre Brötchen? Den Beruf Germanist_in gibt es doch gar nicht, oder?

Warum die Geisteswissenschaften so heißen, wie sie heißen, und welche Studienrichtungen dazugehören, ist ein Thema für sich. Denn: Ganz geklärt ist das nicht. Fest steht aber, dass es ziemlich viele Studiengänge der Geisteswissenschaften gibt. Zu den bekanntesten gehören auf jeden Fall Germanistik, Anglistik und Romanistik. Auch Geschichts-, Literatur-, Religions- und Sprachwissenschaften sowie Kunstgeschichte, Philosophie und Ethnologie wirst du an vielen Hochschulen finden. Daneben gibt es geisteswissenschaftliche Studiengänge mit ganz spezifischen Inhalten wie beispielsweise Klassisches Altertum mit Schwerpunkt Gräzistik oder Angewandte Kindheitswissenschaften.

MYTHOS GEISTESWISSENSCHAFTEN

Wenn du vorhast, ein geisteswissenschaftliches Fach zu studieren, solltest du dich schon mal auf die Frage „Und was willst du später mal damit machen?“ einstellen. Sie wird dir mit Sicherheit nicht nur einmal während deines Studiums gestellt. Abwandlungen sind Sprüche wie „Damit kriegst du nie einen Job!“ oder „Alle Geisteswissenschaftler_innen enden als Taxifahrer_in!“. Doch warum?

Ganz einfach: Weil Geisteswissenschaftler_innen keine konkrete Berufsausbildung haben, wenn sie fertig sind. Sollte das für dich ein Grund zur Beunruhigung sein? Nein, ganz und gar nicht! Doch wenn du dich für ein geisteswissenschaftliches Studium entscheidest, solltest du dir darüber bewusst sein, dass du am Ende zwar keine konkrete Profession besitzt, aber vieles weißt und vieles kannst. Dein Beruf wird dir von deinem Studium nicht vorgegeben, du musst ihn dir selbst suchen. Den Möglichkeiten sind dabei keine Grenzen gesetzt. Wir haben uns mal ein wenig umgeschaut, in welchen Bereichen Geisteswissenschaftler_innen gefragt sind und was aus einigen geworden ist.

Deine Fragen werden dich weiter bringen als unsere Antworten.

ENTDECKE DEINE MÖGLICHKEITEN

Was Geisteswissenschaftler_innen nach ihrem Studium besonders auszeichnet, ist - neben ihrer hohen Textkompetenz, ihrem wissenschaftlichen Ausdrucksvermögen und ihren Methodenkenntnissen - die Fähigkeit, um die Ecke zu denken. Mögliche Berufsfelder finden sich in den Bereichen Kultur, Wissenschaft, Politik und Wirtschaft. Klassische Einsatzgebiete von Geisteswissenschaftler_innen sind zum Beispiel:

/ Germanistik
Medien wie Hörfunk, TV, Zeitung und digitale Medien, Kultureinrichtungen wie Verlage, Museen, Theater und Literaturhäuser, Firmen und Organisationen, die sich mit Redaktion, Sprachdatenbanken und Lexikographie befassen, Goethe-Institute im Ausland

/ Geschichte
Museen und Gedenkstätten, Archive, Vereine und Verbände, politische Parteien, staatliche und gesellschaftliche Institutionen, Erwachsenenbildung, Presse, Verlage

/ Philosophie
Funk, Presse und Fernsehen, Kulturmanagement, Unternehmensberatung in der freien Wirtschaft, Erwachsenenbildung

/ Politikwissenschaften
Interessenvertretungen, Bildungssektor, Verbände und Parteien, staatliche und nichtstaatliche Organisationen, Wirtschaftsunternehmen

/ Sozialwissenschaften
Personal-, Organisations- und Projektmanagement in Wirtschaftsunternehmen, Meinungsforschung, Arbeit in politischen Organisationen, Verwaltungen und öffentlichen Einrichtungen

/ Medien- und Kommunikationswissenschaften
Verlage, Sendeanstalten, PR- und Werbeagenturen, Produktionsfirmen

/ Erziehungswissenschaften
Vereine, Verbände, alle pädagogischen Handlungsfelder, Einrichtungen der Sozialen Arbeit, Erwachsenenbildung, Behindertenhilfe, Rehabilitation

/ Ethnologie
Entwicklungszusammenarbeit, Touristik, Beratungseinrichtungen, öffentliche und private Kultureinrichtungen und Medien

Klingt doch eigentlich spannend, oder? Und es kann auch noch aufregender werden! Damit du es als angehende_r Geisteswissenschaftler_in bei der späteren Berufswahl leichter hast, solltest du dich frühzeitig auf einen Studienschwerpunkt konzentrieren, um spezifische Kompetenzen auszubilden. Die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg hat das beispielsweise längst erkannt und legt beim Studiengang Germanistik mit interdisziplinärem Profil Wert darauf, dass die Studierenden über den germanistischen Tellerrand hinausschauen: Sie entscheiden sich bereits ab dem zweiten Semester für einen Profilschwerpunkt, zum Beispiel Medien, Kulturwirtschaft oder Sprache und Informatik.

EXOTISCHE GEISTESWISSENSCHAFTLER_INNEN

Dass ein Studium oft nur der Weg zum Ziel und nicht das Ziel selbst ist, wurde schon oft bewiesen. Frag doch mal in deinem Bekanntenkreis rum, was deine Mitmenschen so studiert haben! Du wirst überrascht sein, wie häufig das nur wenig mit ihrer heutigen beruflichen Beschäftigung zu tun hat. Nichts ist also unmöglich! Sicher, manchmal bedarf es ein wenig Glück, um an eine tolle Position zu geraten oder in einem super Unternehmen zu landen. Manchmal reicht es aber auch aus, einfach dran zu bleiben, seinen Leidenschaften nachzugehen und an sich zu glauben. Das gilt auch für Geisteswissenschaftler_innen. Die hier haben es vorgemacht :

/ Luke Mockridge (geb. 1989)
Jede_r von uns hat schon mindestens ein Video von ihm gesehen, stimmts? Denn der Comedian, Buchautor und Schauspieler wühlt sich in seinen Texten ausgesprochen fleißig durch die Welt der Generation „hashtag“ und spricht dabei offen und ehrlich über Aufstiege und Abgründe, die es für ihn und seine Generation dabei zu überwinden gilt. Damit ist er ausgesprochen erfolgreich, wie allein 1,1 Millionen Abonnent_innen auf YouTube und zwei Deutsche Comedypreise zeigen. Seine Leidenschaft für Sprache, Medien und Bühne entdeckte der heute 29-jährige allerdings schon während seines Studiums der Medien-und Kommunikationwissenschaften in Kanada, England und Deutschland, welches er 2012 mit dem Bachelor abschloss.

/ Emma Watson (geb. 1990)
Bei Emma Watson weiß man im Grunde gar nicht, wo man anfangen soll zu jubeln. Ihre Rolle als Hermine in Harry Potter oder doch eher die bewegende UN-Rede, in der sie sich für Menschen- und Frauenrechte stark machte oder ihr Engagement für Umweltfragen – vielleicht muss man sich auch gar nicht entscheiden, sondern kann einfach neidlos anerkennen, dass einem mit einem Studium der englischen Literatur wohl wirklich weit mehr Türen offen stehen als man im ersten Moment glauben mag.

/ Richard David Precht (geb. 1964)
Der Philosoph und Bestsellerautor von „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ kann wohl ohne Übertreibung als der IT-Philosoph des deutschsprachigen Raumes bezeichnet werden. Oder wie die ZEIT schreibt als öffentlich Intellektueller und „Bürgerphilosoph“. So bringt der Professor der Leuphana Universität Lüneburg und der Hochschule für Musik in Berlin in TV-Auftritten, Kolumnen, Keynotes und Interviews neue Perspektiven und Gedanken in die Welt und positioniert sich aktuell vor allem zur Zukunft der digitalisierten (Arbeits-)Welt in der Informationsgesellschaft. Ebenso engagiert und vorwärtsgewandt widmet er sich aber auch den Themen Bildung, Migration und Tierrechte. Was er studierte? Philosophie, Germanistik und Kunstgeschichte in Köln. In der Germanistik wurde er sogar zum Dr. phil. promoviert.

ERST INFORMIEREN, DANN STUDIEREN!

Geisteswissenschaften kannst du natürlich auch an den Hochschulen von Sachsen-Anhalt studieren. Die Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg ist mit rund 70 entsprechenden Studiengängen quasi das Mekka der Geisteswissenschaften in Sachsen-Anhalt. Aber auch in Stendal, Magdeburg, Halberstadt, Wernigerode und Merseburg gibt es spannende Angebote: Unsere Studiengangsuch-und-finde-Maschine RE/SEARCH hilft dir dabei, diese zu entdecken.